Devon Allmann - Ragged and Dirty

In schöner Regelmäßigkeit legt der umtriebigste Spross der Allman-Family, Devon, ein neues Album vor - sei es solo oder mit der Brotherhood. Nur Honeytribe scheint inzwischen Geschichte zu sein...

 

"Ragged & Dirty", einem Titel von Luther Allison entliehen, ist nach "Turquoise" das zweite Album für das kaum weniger umtriebige (deutsche) Ruf-Label. Devon Allman hat gegenüber dem Vorgänger die gesamte Musikerriege ausgetauscht und sich zudem in die Obhut des angesagten Produzenten und Songschreibers Tom Hambridge begeben, der zudem alle Drum-Parts eingespielt hat.

 

Warum nun der mit allen songschreiberischen Wassern gewaschene Devon Allman gleich vier Stücke von dem leidlichen Drummer aus Buffalo geordert hat, erschließt nicht ganz. Zwei davon sind typische Hambridge-Boogies, "Half The Truth" und "Times Have Changed", und trotz seelenvoller Interpretation der beteiligten Musiker eher 'Stangenware'. Sehr viel gelungener dagegen "Can't Loose 'em All", das mit schmelzigem Soul an das erinnert, was Vater Gregg musikalisch am Herzen liegt. Aller Ehren ist auch das wert, was Buddy Guy-Organist Marty Sammon - an der Mehrzahl aller Songs von "Ragged & Dirty" maßgeblich beteiligt - hier beisteuert!

Pechrabenschwarz kommt auch das The Spinners-Cover "I'll Be Around", ein R&B-Smash von 1972, daher. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark Devon Allman sich aus dem Roots Rock-Fahrwasser herausmanöveriert hat und 'Vadderns' Gene durchzuschlagen beginnen. Dann ENDLICH: Der erste 'eigene' Song und mit dem über der souligen Basis hart riffenden "Traveling" sogleich der erste Überflieger von "Ragged & Dirty". Luftschnappen ist nur noch mit Asthmaspray möglich... denn auch der folgende, fast zehnminütige Slow Blues "Midnight Lake Michigan" ist atemberaubend. Nix mit in zwölf Takte konservierter Langeweile! Über fast zehn Minuten wird eine unglaublich dichte, spannungsgeladene Atmosphäre aufgebaut, die zudem ohne (hier wären sie störend!) Worte auskommt. Der stärkste Song, den Devon Allman jemals geschrieben hat. Basta!!

Das rockige "Blackjack Heartattack" dient mit seinen ebenso einfachen wie wirkungsvollen Strukturen als perfekte Atempause, bevor das bluesig-soulige "Back To You" (tolle Harmoniegesänge von Wendy Moten, man kennt sie von "Come In Out Of The Rain") die Spannung wieder neu auflädt. Diese bricht sich dann in einer wuselig-britzelnden Version von Luther Allisons "Ragged & Dirty" Bahn, der leider viiiiel zu kurz glutvoll grooven darf.

Minimalistisch, nur mit Stimme, Resonatorgitarre und rudimentären Drums instrumentiert, geleitet "Leave The City" den Hörer besinnlich aus einer unterm Strich unterhaltsamen Dreiviertelstunde.

"Ragged & Dirty" präsentiert sich als geschlossenes, durchaus gelungenes Album - wie eigentlich alles, woran Devon Allmans beteiligt ist. Selbstbewusst prangt eine fette 'Zwei' auf dem Silbertellerchen - das zweite Soloalbum - und kündet von weiteren Großtaten.

Quelle: www.rocktimes.de

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