Colosseum - Time on our Side

Ein neues Colosseum-Album einzulegen kommt einem Schritt ins Unbekannte gleich. Alles könnte passieren. Alles ist möglich. Während andere Bands sich damit zufriedengeben, ihre bestverkauften Alben erneut zu veröffentlichen, ist "Time On Our Side" der Sound alter Freunde, die zusammen zu neuen Abenteuern aufbrechen. „Wir versuchen nie, die Vergangenheit neu zu erschaffen“, erzählt Schlagzeuger Jon Hiseman, der die Britische Band 1968 mitbegründete. „Die Musik hat sich wieder verändert, und jeder, der auf ein weiteres Valentyne hofft, wird einen Schock bekommen. Nichtsdestotrotz hört sich Colosseum wie keine andere Band an. Diese nicht zusammenpassende Ansammlung von Schreibern und Performern scheint einen „Colloseum-Effekt“ für die Musik zu haben…“

 

Bei Ruf Records 2014 veröffentlicht vollführt "Time On Our Side" einen Balanceakt und dehnt die genreverschmelzende Palette der Band erneut aus, während ihr einzigartiger Stil jedoch immer hörbar bleibt. Der Jump Blues von „City Of Love“. Der Jazz von “Dick’s Licks”. Die Wohlklänge von “You Just Don’t Get It”. Die Melancholie von „New Day“. Es fühlt sich an wie Colosseum, auch wenn es sich nicht immer so anhört. Hiseman beschreibt die ursprüngliche Intention als „rockige, jazzige Rhythmen, intelligente Texte, improvisierte Soli“- doch in Wahrheit kann man sie einfach nicht in eine Schublade zwängen. 

Elf Jahre sind seit "Tomorrow’s Blues" vergangen: ein ganzes Leben im Rock ’n‘ Roll. Die Aufnahme von "Time On Our Side" in Hisemans Temple Music Studio in Surrey mag Spaß gemacht haben, doch seine Fertigstellung bezeichnet auch eine Phase der Ungewissheit. „Wir haben uns 2010 im Studio getroffen und Demosongs durchgespielt, die die Bandmitglieder geschrieben hatten“, erinnert sich der Schlagzeuger. „Doch danach hing die Zukunft von Colosseum davon ab, ob Barbara wieder in der Lage sein würde, auf Tour zu gehen…“

Natürlich ist Multi-Instrumentalistin Barbara Thompson ein unverzichtbarer Teil  der Colosseum-Geschichte. Sie und Hiseman lernten sich 1964 kennen, heirateten 1967, und sie spielte – oblgleich unerwähnt – auf den ersten drei Alben der Band. 1971 trennte sich Colosseum und Thompson gründete ihre eigene Band. Doch sie blieb der Band auch weiterhin verbunden und als die wiedervereinte Band 2004 ihren eigentlichen Saxophonisten Dick Heckstall-Smith verlor,  sprang sie ein. „Dick hat Barbara immer sehr bewundert“, erinnert sich Hiseman, „und sie wurde selbstverständlich seine Nachfolgerin. Er war ein zäher, harter, männlicher Künstler, ohne Kompromisse. Barbara ist weicher, femininer und dadurch kommen auch mehr Frauen zu unseren Konzerten. Also keine Beschwerden!“

Ohne Frage bildet Thompsons Saxophonspiel das Sahnehäubchen auf dem neuen Album, von „Safe As Houses“ bis zu „The Way You Waved Goodbye“. Trotzdem gab es Zeiten, in denen die Band befürchtete, das ihre Mitwirkung nicht weiterhin möglich sein würde: „Ihre Parkinson-Erkrankung schreitet weiter voran und die Medikation wird weniger effektiv, sodass sie aufhören muss zu spielen. Dann gibt es neue Medikamente und sie macht dort weiter, wo sie aufgehört hat. Das ist bisher schon dreimal passiert – und die Aufnahme dieses Albums musste 2012 gestoppt werden, weil es so aussah, als ob sie nie wieder spielen können würde. Als vor zwölf Monaten ein neues schwedisches Wunder-Arzneimittel auf den Markt kam, entschieden wir, es noch einmal zu versuchen, vielleicht ein letztes Mal: das Album beenden und auf Tour gehen.“

 

Allein die Fertigstellung von "Time On Our Side" ist eine gewaltige Leistung. Dass dieses Album auch noch ein so ungemeiner Erfolg wurde, bescheinigt nur noch einmal die anhaltende Begabung von einer der originellsten Bands Großbritanniens. Beinahe ein halbes Jahrhundert nach Colosseums Gründung ist das der unverwechselbare Sound einer Band, die noch immer voller Energie ist. „Wenn wir zusammen kommen, fühlt es sich für uns alle an, als ob wir nach Hause kommen“, sagt Hiseman. „Es war einfach, dieses Album zu machen und es fühlt sich richtig an…“

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